Die Stimmen der Jugendlichen aus Groß-Klein: „Ich bin hier um zu leben. In Sicherheit und Freiheit.“

In den vergangenen Tagen wurde in verschiedenen Medien in ganz Deutschland über die Situation in Rostock-Groß Klein berichtet. Weil Innenministerium, Polizei und Stadtverwaltung ein zweites „Rostock-Lichtenhagen“ befürchten, zogen einige Jugendliche in einen anderen Stadtteil.

„Rostock hilft“ fiel auf, dass in der ganzen Debatte nirgends direkte Fragen an die asylsuchenden Jugendlichen, die in Groß Klein leben, gerichtet wurden. Wir haben deshalb mit einem der Jungen gesprochen, die derzeit dort wohnen. Er ist seit fünf Monaten in Rostock. Sein Weg begann in Afghanistan. Er möchte nicht namentlich genannt werden, da er Angst um seine Familie in Afghanistan hat.

Wir haben über die Situation vor Ort und seine Wünsche in Deutschland gesprochen. Das Gespräch fand auf deutsch statt. Im Folgenden lest ihr eine Zusammenfassung des Gesprächs, die wir gemeinsam erarbeitet haben. „Die Stimmen der Jugendlichen aus Groß-Klein: „Ich bin hier um zu leben. In Sicherheit und Freiheit.““ weiterlesen

Umzug, neues Büro und vorübergehende Einschränkungen

Es ist so weit! unser neues Büro ist fertig und wir sind gerade kräftig mit dem Umzug beschäftigt.

Deshalb kann es vorübergehend zu Einschränkungen in unserer Erreichbarkeit und Reaktionsfähigkeit kommen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Bis zum 6.7.2016 wollen wir alles geschafft haben und die Computer laufen wieder.

Die neue Anschrift sowie alle anderen Neuigkeiten werden wir dann hier und über alle anderen Kanäle verbreiten.

PRESSEMITTEILUNG ZUR ABSCHIEBUNG ÜBER ROSTOCK AM 10.05.2016

„Rostock hilft“ protestiert gegen Massenabschiebungen vom Flughafen Rostock-Laage

Am heutigen Dienstag, 10.5.2016, wurden erstmals vom Flughafen Rostock-Laage mit einer
Sammelabschiebung 103 Personen, davon 50 Kinder, nach Mazedonien, Serbien, Albanien und
Kosovo abgeschoben. Der größte Teil der Betroffenen (90 Personen) lebte in Mecklenburg-
Vorpommern. Aber auch aus Hamburg und Schleswig-Holstein wurden Menschen zur Abschiebung
nach MV gebracht. Etwa 80 Menschen versammelten sich daraufhin mit Transparenten wie
„Bleiberecht für alle“ oder „Kein Mensch ist illegal“ spontan in der Rostocker Innenstadt, um gegen
diese Abschiebungen zu protestieren.

 
Unter den Betroffenen war auch eine Familie aus Rostock, deren Trennung billigend in Kauf
genommen wurde. Die Mutter und drei Kinder wurden ohne Ankündigung abgeschoben, während
der Vater mit einer minderjährigen Tochter zurückblieb.
„Wir sind bestürzt darüber, wie leichtfertig Familien durch die Behörden auseinandergerissen
werden“, so Helge Brenke von „Rostock hilft“.
„Darüber hinaus finden wir es unverantwortlich und unverständlich, dass Familien abgeschoben
werden, die seit mehreren Jahren hier leben und sich gut integriert haben. Die Kinder besuchten in
Rostock die Schule und hatten hier ihre Freunde“, so Brenke weiter.

 
„Rostock hilft“ zeigt sich entsetzt über dieses menschenunwürdige Vorgehen der Landesbehörden.
„Wir sprechen uns entschieden dagegen aus, dass Rostock-Laage neuer Abschiebeflughafen in
Norddeutschland wird. Die Kooperation mit den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein
zeigt außerdem eine neue Dimension der Abschiebepraxis in Norddeutschland“, so Brenke.
„Vermeintlich „sichere Herkunftsländer“ werden bewusst herbei definiert, mit dem Ziel die
Flüchtlingszahlen zu reduzieren – ungeachtet der Folgen für den Einzelfall und ungeachtet der
konkreten Fluchtursachen der Betroffenen. Unter den Betroffenen der heutigen Massenabschiebung
waren auch Angehörige der Roma-Minderheit. Sie werden in ihren Herkunftsländern strukturell
diskriminiert, ausgegrenzt oder gar verfolgt. Anstatt die besondere historische Verantwortung
Deutschlands gegenüber Roma wahrzunehmen, werden sie de facto als „Asylbetrüger“ stigmatisiert
und abgeschoben“, kritisiert Karla Hoffmeyer, ebenfalls von „Rostock hilft“.

 
„Wir fordern eine ernst gemeinte Einzelfallprüfung der Asylanträge, unabhängig vom
Herkunftsland. Wir fordern außerdem einen menschlichem Umgang mit Geflüchteten, auch bei
ihrer Abschiebung. Die Betroffenen müssen die Möglichkeit haben, sich auf die traumatisierende
Situation einzustellen, Abschied zu nehmen und Vorkehrungen für ihre Ankunft in dem jeweiligen
Herkunftsland zu treffen, anstatt sie ohne jedwede Unterstützung auszusetzen. Dies muss
insbesondere gelten, wenn Kinder und Jugendliche betroffen sind“, so Hoffmeyer.